Episoden aus der Gründerzeit
   
In Seebach, das damals noch zur Kirchspielgemeinde Ottenhöfen gehörte, war ein Musiker namens Andreas Zink, ein kleines schmächtiges Männlein, der die Klarinette spielte. Man nannte ihn den "Andresli", "Spielmännli" oder "Pieberli". Seine Klarinette, die aus gelbem Holz gefertigt war, nannte man "Gelbrübe" oder "Gelrueb". Er war der einzige, der Musik in Seebach, Ottenhöfen und Furschenbach machte. Er wurde auch oft nach Sasbachwalden und ins Württembergische geholt. Bei allen möglichen Festen wie Hochzeiten, Verlobungen, Kindstaufen mußte er aufspielen. Das "Spielmännli" brachte mit seiner "Gelrueb" Leben in die Feste. Durch sein leutseliges, stets heiteres Wesen und mit seinem urwüchsigen Humor war er überall beliebt.
 

 

4 Musiker - eine Kapelle
   
Nun waren aber um diese Zeitauch in Ottenhöfen drei musikverstehende Männer, nämlich Romuald Knapp, der spätere Dirigent der Kurkapelle wurde und die beiden Schuhmachermeister Basil Kuch und Anton Waltersbacher. Romuald Knapp spielte den Baß, Basil Kuch das Waldhorn und Anton Waltersbacher die Trompete. Diese Männer taten sich mit Andreas Zink zusammen und bildeten fortan die "Musik" für Ottenhöfen und die nähere Umgebung. Dirigent und Noten waren nicht erforderlich. Andreas Zink fing an zu spielen und die anderen, erst hörend was gespielt wird, kamen mit ihrem "Hm ba" verschiedene Takte hinten nach. So ging es bei Tanz - und Marschmusik; es wurde eben nicht so genau genommen. Zu diesen 4 originellen Musikern gesellten sich dann um die Jahrhundertwende noch die Bläser Karl Zink, Josef Bäuerle, Bernhard Schnurr und Bernhard Baßler.
 

 

Gründung eines Musikvereins
   
Der Plan zur Gründung eines Musikvereins wurde von einer Holzhauerkompagnie an einem sogenannten "blauen Montag" entworfen. Man schrieb das Jahr 1902. Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen, der zweite Maientag, als eine Gruppe Holzhauer auf der Straße von Allerheiligen gegen den Zimmerplatz dahinschritt, um dort die grossen Mengen von Windfallholz, welches dem gewaltigen Sturm im Winter 1902 zum Opfer fiel, aufzuarbeiten. Als die Holzhauer fröhlich dahinschritten, funkelte ein heller Gegenstand am Wegrande ihnen entgegen, der sich als ein ganz gewöhnlicher, abgeschlagener Bierflaschenhals entpuppte. Dieser unscheinbare Gegenstand gab letztlich den Ausschlag zur Gründung des Musikvereins. Ein Holzhauer, der ein Angehöriger der "Ottenhöfener Musik" war, hob den Flaschenhals auf und versuchte ihm Töne zu entlocken, indem er ihn wie ein Mundstück an die Lippen setzte. Sodann versuchten es die übrigen Holzhauerkameraden nacheinander, bis jeder seine Fertigkeit mehr oder minder gut probiert hatte. Schließlich kam man dabei zu der allgemeinen Ansicht, dass man die Kunstfertigkeit im Blasen in die Wirklichkeit umsetzten könne und einen Musikverein ins Leben rufen sollte. Voller Begeisterung für diese Idee wurde abends in gehobener Stimmung der Heimweg angetreten, wobei die künftigen Musikanten ein Lied um das andere erschallen ließen. Zu Hause angekommen wurde sofort eine Preisliste über Musikinstrumente aufgestöbert und durchstudiert. Tags darauf schon wurde von kundiger Seite die Bestellung von Instrumenten aufgegeben. Nach drei Wochen waren die gewünschten Instrumente zur Stelle. Am gleichen Abend schon kam die Musikkameradschaft zusammen um mit den gemeinsamen Proben zu beginnen, die in der Folgezeit mit anerkennenswerten Eifer besucht wurden, so dass schon in verhältnismäßig kurzer Zeit einige Stücke gespielt werden konnten. Die Chronik des Vereins berichtet von folgenden Gründungsmitgliedern des Musikvereins Ottenhöfen: Otto Steimle, Franz Roth, Johann Baßler, Wilhelm Steimle, Franz Xaver Decker, Georg Käshammer, Wilhelm Schnurr, Josef Käshammer, und Josef Oberle. Erster Dirigent wurde der schon bei der "Ottenhöfener Musik" mitwirkende Romuald Knapp. Unter der Stabführung von Romuald Knapp arbeitete sich die Kapelle sehr rasch zu einer beachtlichen Höhe empor, so dass sie bereits am 2.Juni 1907 bei dem Gau-Musikfest in Kappelrodeck einen zweiten Preis erringen konnte. Einen unverkennbaren Aufschwung nahm die Kapelle unter der Leitung von Franz Hermann ("s'Baßgarde"), der den Dirigentenstab von 1907 bis 1925 mit viel Hingabe führte. Das Gau-Musikfest im Jahre 1909 ist ein leuchtender Markstein in der Vereinsgeschichte,
 

 

Franz Seiler - Dirigent des Vereins von 1925 bis 1950
   
Im Jahre 1925 wurde Franz Hermann durch den Dirigenten Franz Seiler abgelöst, der in überaus anerkennenswerter, aufopferungsvoller Weise die Kapelle zu der damals weithin bekannten Leistungsstärke emporführte. Im Jahre 1925 wurde sie Kapelle als Unterabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Ottenhöfen eingegliedert. Ab 1930 wurde daraus sogar ein offizieller Musikzug als Spielmannszug. Der zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Die Organisationsform der Kapelle wurde geändert. Nach dem Kriege wurde der Musikverein Ottenhöfen in Kurkapelle Ottenhöfen umbenannt. Nicht zuletzt wurde der Name Kurkapelle wegen der vielfältigen Konzertverpflichtungen im Rahmen des Kurbetriebes des Luftkurortes gewählt. Franz Seiler wirkte bis 1950 in Ottenhöfen. Die von den Einheimischen und Kurgästen während seiner Dirigentenzeit immer wieder mit begeistertem Beifall aufgenommenen Kurkonzerte sind ein Zeugnis der Leistung von Franz Seiler. Das 25jährige Wirken von Franz Seiler war mit ausschlaggebend für den damals schon sehr guten Leistungsstand der Kapelle. Im Jahre 1950 trat Dirigent Max Schweizer das Erbe Seilers an. In Max Schweizer hatte man den richtigen Mann gefunden, der durch sein musikalisches Können und seine unermüdliche Tätigkeit die Kurkapelle immer wieder zu ganz beachtlichen Leistungen mitriß.
 

 

50jähriges Jubiläum der Kurkapelle
   
Das Jahr 1952 war dann ein ganz großes Jahr der Kurkapelle. Vom 7. bis 9. Juni 1952 feierte man das 50jährige Vereinsjubiläum, verbunden mit dem 3. Verbandsmusikfest des Acher - und Renchtalmusikverbandes. Beim Festzug wirkten insgesamt 32 Musikkapellen mit. Nahezu 10.000 Festbesucher waren zu verzeichenen. Ein weiterer Höhepunkt des goldenen Jubelfestes war neben dem Festzug das Wertungsspiel, an dem 16 Kapellen teilnahmen. Die Gesamtorganisation diese Festjubiläums lag in den Händen von Bertold Bohnert. Er übernahm im Januar 1953 den Vorsitz der Kapelle und wurde dadurch Nachfolger von Hermann Spinner.
 

 

Die Kurkapelle von 1953 bis 1975
   
1954 nahm die Kurkapelle am Wertungsspiel anläßlich des 25jährigen Bestehens des Acher - und Renchtalmusikverbandes in Oberkirch teil. Bei schwerster Konkurenz errang sie unter der Stabführung von Max Schweizer in der Mittelstufe die Note sehr gut bis vorzüglich. Im August 1958 trennte sich die Kurkapelle von ihrem Dirigenten Max Schweizer in beiderseitigem Einvernehmen. Vorstand Berthold Bohnert gelang es, Musikdirektor Emil Rosa (Oberkirch) zu verpflichten. Rosa, ein anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Blasmusik und hervoragender Dirigent, wirkte bis 1963 in Ottenhöfen. Ab 1963 dirigierte dann Willy Schütz (Achern) die Kurkapelle. Unter seiner Regie wurden viele Jungmusiker ausgebildet und in die Kapelle eingegliedert. Welch hervorragende Arbeit Willy Schütz in Ottenhöfen leistete, beweist u.a. die Kritik des Konservators Dr. Wolfgang Suppan anläßlich des Kritikspiels der Kurkapelle in Achern am 9.4.1967. Nicht unerwähnt bleiben muß in diesem Zusammenhang die Arbeit der Jungmusikerausbildung nach dem zweiten Weltkrieg. Es waren dies in den frühen 50er Jahren Karl Göhrung und später lange Jahre Hubert Baßler. Seit 1971 zeichnet sich für die Jungmusikerausbildung Kurt Kiesel verantwortlich.
 

 

Die Kurkapelle von 1975 bis heute
   
1975 war wieder ein großes Jahr für die Kurkapelle. Sie feierte ihr 75jähriges Bestehen vom 11.-14. Juli. Neben dem großen Festzug gab es verschiedene Konzerte und Tanzabende. In den 80ern und frühen 90ern kam die Kurkapelle auch zu mehreren Fernsehauftritten und sie nahm ihre erste LP auf, die bis heute zahlreich verkauft wurde. 1992 verstarb Dirigent Willy Schütz und Kurt Kiesel, der Vizedirigent der Kapelle, übernahm für ein halbes Jahr den Taktstock bis ein neuer Dirigent gefunden wurde. Hilger Honauer aus Auenheim, ein junger Musikstudent, stellte sich der Kapelle vor. Er dirigierte die Kurkapelle 5 Jahre mit einer Mischung aus traditioneller Blasmusik und modernen Konzertstücken, die bei den Jahreskonzerten zu den Highlights wurden. Mit ihm ging die Kurkapelle zum Oktoberfest am Canstatter Wasen. Ab 1998 dirigierte Yves Kieffer, der im Elsaß lebt, die Kurkapelle. Bis im Dezember 2000 konnte die Kurkapelle einige interessante Auftritte im Nachbarland erleben. Danach übernahm Vizedirigent Kurt Kiesel wieder für ein halbes Jahr den Taktstock, bevor der neue alte Dirigent Hilger Honauer wieder nach Ottenhöfen kam. Unvergessliche Momente wurden das Frühjahrskonzert in Ottenhöfen und der "Rock im Kurpark" im Jahr 2007, bei denen Hilger Honauer mit seinen Ideen die Musiker und das Publikum begeisterte.